Die Ausbildung im Einzelhandel

Früher sah man den Kunden als König. Heute ist der Kunde eher ein Partner, der ernst genommen und fachkundig beraten werden will. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Einzelhandel bieten „Problemlösungen“ an, um die Wünsche der Verbraucher zu erfüllen.
Der Kontakt mit dem Kunden stellt auch den Ausgangspunkt für den Unterricht in der Berufsschule dar. Das Verkaufsgespräch, das Erkennen der Verbraucherwünsche, die Vermittlung von Warenkenntnissen und der Einsatz verkaufsfördernder Mittel bilden Schwerpunkte des Unterrichtes.
Von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines Einzelhandelsunternehmens werden darüber hinaus kaufmännische und rechtliche Kenntnisse erwartet.
Der Einzelhandel bildet nicht nur Kaufleute im Einzelhandel (Ausbildungsdauer 3 Jahre) aus, sondern auch Verkäufer und Verkäuferinnen (Ausbildungsdauer 2 Jahre). An den Berufsbildenden Schulen Lingen – Kaufmännische Fachrichtung – werden die Kaufleute im Einzelhandel und die Verkäufer und Verkäuferinnen im Rahmen der folgenden Lernfelder gemeinsam beschult.
Die Anordnung der Lernfelder folgt der Idee der Teilung in die zwei Ausbildungsberufe Verkäufer/Verkäuferin und Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel. Die Lernfelder des ersten Ausbildungsjahres befassen sich mit dem Warenverkauf und der dafür erforderlichen Orientierung am Kunden. Die im zweiten Jahr folgenden Lernfelder stellen mit Beschaffung, Lagerung, Datenbearbeitung unterstützende Handlungsbereiche in den Mittelpunkt und greifen anschließend die Kundenorientierung wieder auf. Die Lernfelder des dritten Ausbildungsjahres thematisieren weitergehende betriebliche Handlungssituationen, die dem Ausbildungsprofil des Kaufmanns/der Kauffrau im Einzelhandel entsprechen. Die notwendigen Warenkenntnisse sind abhängig vom Sortiment sowie der Betriebs- und Verkaufsform. Die Berufsschule vermittelt am Beispiel ausgewählter Waren Techniken des Erwerbs von Warenkenntnissen und damit die Fähigkeit sich in neue Sortimente einzuarbeiten. Bei der Herausbildung der Handlungskompetenzen im Rechnungswesen wird die Schwerpunktverlagerung von der Dokumentations- zur Steuerungs- und Kontrollfunktion im Rahmenlehrplan konsequent verfolgt.
Die Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Soziales – erstrecken sich auf alle Aktionsbereiche des Einzelhandels und werden in die Lernfelder integriert. Sie bieten vielfältige Anlässe für wirtschafts- und warenethische Bezüge.

Unterrichtsorganisation

Unterrichtstage

Grundstufe: zwei Berufsschultage pro Woche
Fachstufe I: ein Berufsschultag pro Woche
Fachstufe II: ein Berufsschultag pro WocheDie Verkäufer/in mit einem Ausbildungsvertrag über zwei Jahre werden gemeinsam mit den Einzelhandelskaufleuten, die einen Vertrag über drei Jahre haben, in der Grundstufe eingeschult.

Auszubildende mit einer Ausbildungszeitverkürzung werden direkt in die Fachstufe I eingeschult.

Unterrichtsfächer/Lernfelder
Der Unterricht besteht aus dem allgemeinbildenden und dem berufsspezifischen Bereich.

Im allgemeinbildenden Bereich werden laut Stundentafel die Fächer Politik, Sport, Deutsch und Religion unterrichtet.

Der berufsspezifische Bereich umfasst in den drei Ausbildungsjahren folgende Lernfelder:

Ansprechpartnerin

Kirsten Trotz

Studienrätin

Tel.: 0591 – 804430
Berufsbildende Schulen Lingen Wirtschaft
Nöldekestraße 7
49809 Lingen (Ems)

1. Ausbildungsjahr
(Grundstufe)

Lernfeld 1: Das Einzelhandelsunternehmen repräsentieren

Lernfeld 2: Verkaufsgespräche kundenorientiert führen

Lernfeld 3: Kunden im Servicebereich Kasse betreuen

Lernfeld 4: Waren präsentieren

Lernfeld 5: Werben und den Verkauf fördern

2. Ausbildungsjahr
(Fachstufe I)

Lernfeld 6: Waren beschaffen

Lernfeld 7: Waren annehmen, lagern und pflegen

Lernfeld 8: Geschäftsprozesse erfassen und kontrollieren

Lernfeld 9: Preispolitische Maßnahmen vorbereiten und durchführen

Lernfeld 10: Besondere Verkaufssituationen bewältigen

3. Ausbildungsjahr
(Fachstufe II)

Lernfeld 11: Geschäftsprozesse erfolgsorientiert steuern

Lernfeld 12: Mit Marketingkonzepten Kunden gewinnen und binden

Lernfeld 13: Personaleinsatz planen und Mitarbeiter führen

Lernfeld 14: Ein Unternehmen leiten und entwickeln

Berufsschulzeugnis

Im Zeugnis wird eine Durchschnittsnote ausgewiesen.

Voraussetzungen für den Berufsschulabschluss:

a) Die Leistungen im berufsfeldübergreifenden Bereich müssen mindestens ausreichend sein.
b) Die den Bereichen zugeordneten Fächer bzw. Lernfelder dürfen höchstens zwei mangelhafte oder eine ungenügende Leistung aufweisen; alle anderen Lernfelder bzw. Fächer müssen mit ausreichend oder besser bewertet worden sein.
c) Fächer, die im 1. Halbjahr (oder in der Grundstufe) unterrichtet wurden, werden in das Abschluss- oder Abgangszeugnis übernommen und bei der Ermittlung des erworbenen Abschlusses bzw. des Ausgleichs berücksichtigt.

Abschlüsse

AbschlussVoraussetzungen

Berufsschulabschluss

(Abschlusszeugnis)

ausreichende Leistungen in allen Fächern zum
Zeitpunkt der Abschlussprüfung
HauptschulabschlussAbschlusszeugnis der Berufsschule
Realschulabschluss
  1. Abschlusszeugnis der Berufsschule
  2. erfolgreicher Prüfungsabschluss vor der IHK

Erweiterter

Realschulabschluss

  • Gesamtnotendurchschnitt mindestens 3,0
  • mindestens befriedigende Leistungen in folgenden Fächern:
    Deutsch-Kommunikation und
    einer Fremdsprache und
    dem berufsspezifischen Unterricht
  • Prüfungszeugnis der IHK
Fachhochschulreife
  1. Abschlusszeugnis der Berufsschule
  2. Nachweis des schulischen Teils der Fachhochschulreife (in Niedersachsen erworben)
  3. Prüfungszeugnis der IHK
Schülerinnen, die den schulischen Teil der Fachhochschulreife in Nordrhein-Westfalen erworben haben, müssen sich zur Bescheinigung der Fachhochschulreife an die Bezirksregierung Münster wenden.

Förderangebote

Auf Wunsch können spezifische Förderangebote gemacht bzw. vermittelt werden. Bitte wenden Sie sich an Ihre Klassenlehrerin bzw. Ihren Klassenlehrer.
Frau Sander bietet nach Vereinbarung ein Bewerbungstraining an. Bewerbungsschreiben und Bewerbungsgespräche können so vor- und nachbereitet werden.
Spezielle Prüfungsvorbereitungskurse werden bei Bedarf vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW), von der Volkshochschule (VHS), dem Ludwig-Windthorst-Haus (LWH), dem Arbeitsamt oder sonstigen Bildungsträgern angeboten. Bitte informieren Sie sich bei diesen Institutionen.

Prüfungen vor der Industrie- und Handelskammer (IHK)

Die Zwischen- und Abschlussprüfungen der Industrie- und Handelskammer finden in den Räumen der BBS Lingen und in den Betrieben statt. Zuständig für die Organisation ist die Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland.

Verkäufer/-in
Zwischenprüfung

Zur Ermittlung des Ausbildungsstandes ist eine Zwischenprüfung durchzuführen. Sie soll zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.

Die Zwischenprüfung ist schriftlich in höchstens 90 Minuten durchzuführen. Der Prüfling soll dabei praxisbezogene Aufgaben oder Fälle aus den folgenden Gebieten bearbeiten:

1. Verkauf und Marketing

2. Kassieren und Rechnen

3. Wirtschafts- und Sozialkunde

Die Zwischenprüfung dient der Ermittlung des Ausbildungsstandes. Eine Anrechnung der hier erzielten Leistungen auf die Abschlussprüfung erfolgt nicht.

Abschlussprüfung
Verkäufer/in

Schriftlich (50 %):

Die schriftliche Abschlussprüfung wird landesweit einheitlich durchgeführt in den Prüfungs-bereichen

1. Prüfungsbereich Verkauf und Marketing (50 % v. schriftl. Teil)

2. Prüfungsbereich Warenwirtschaft und Rechnungswesen (30 % v. schriftl. Teil)

3. Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde (20 % v. schriftl. Teil)

Mündlich:

4. Fallbezogenes Fachgespräch (50 %)

 

Die Prüfung ist bestanden, wenn das Gesamtergebnis mindestens ausreichend ist und mindestens in zwei Prüfungsbereichen (Nr. 1 – 3) sowie im Prüfungsbereich Fallbezogenes Fachgespräch (Nr. 4) mindestens ausreichende Prüfungsleistungen erbracht werden.Werden die Prüfungsleistungen in einem Prüfungsbereich mit „ungenügend“ bewertet, so ist die Prüfung nicht bestanden.
Eine Ergänzungsprüfung (15 Minuten mündliche Prüfung) ist in einem schriftlichen Prüfungsbereich möglich, falls sich im gesamten schriftlichen Prüfungsbereich zwei Mangelhaft ergeben haben. Dadurch kann die mangelhafte Leistung in eine ausreichende Prüfungsleistung verbessert werden.

Einzelhandelskaufmann/-frau

Die Prüfung erfolgt ohne Zwischenprüfung. Die Abschlussprüfung setzt sich aus einem Teil I und einem Teil II zusammen (gestreckte Abschlussprüfung), die zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden.

Teil 1 der Abschlussprüfung soll am Ende des 2. Ausbildungsjahres stattfinden.
Er besteht aus folgenden drei Prüfungsbereichen:

– Verkauf und Marketing(90 Minuten)

– Warenwirtschaft und Rechnungswesen(60 Minuten)

– Wirtschafts- und Sozialkunde(60 Minuten)

Alle drei Prüfungsgebiete werden in schriftlicher Form an einem Prüfungstag geprüft.


Teil 2 der Abschlussprüfung soll am Ende des 3. Ausbildungsjahres stattfinden.
Die Prüfung erstreckt sich auf die Gebiete:

– Geschäftsprozesse im Einzelhandel(105 Minuten)

– Fallbezogenes Fachgespräch(20 Minuten)

– Vorbereitungszeit (15 Minuten)

Die Geschäftsprozesse im Einzelhandel werden in schriftlicher Form geprüft, das fallbezogene Fachgespräch in mündlicher Form.


Ermittlung des Gesamtergebnisses und Bestehensregelungen

Gewichtung der Prüfungsbereiche

Verkauf und Marketing15 % (Teil 1)

Warenwirtschaft und Rechnungswesen10 % (Teil 1)

Wirtschafts- und Sozialkunde10 % (Teil 1)

Geschäftsprozesse im Einzelhandel25 % (Teil 2)

Fallbezogenes Fachgespräch40 % (Teil 2)


Bestehensregelungen

Das Gesamtergebnis von Teil 1 und Teil 2 muss mindestens mit „ausreichend“ bewertet sein.

Das Ergebnis im Prüfungsbereich Geschäftsprozesse im Einzelhandel muss mindestens mit

„ausreichend“ bewertet werden.

Das Ergebnis im fallbezogenen Fachgespräch muss mit mindestens „ausreichend“ bewertet sein.

Mündliche Ergänzungsprüfung

Auf Antrag des Prüflings kann in dem Teil 2 der Abschlussprüfung mit schlechter als „ausreichend“ bewerteten Prüfungsbereich eine mündliche Ergänzungsprüfung abgelegt werden, wenn dies für das Bestehen den Ausschlag geben kann. Bei der Ermittlung des Ergebnisses in diesem Prüfungsbereich werden das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis 2 : 1 gewichtet.

Weitergehende Informationen zum dem Ausbildungsberuf finden Sie unter:

www.berufe.tv
www.berufenet.de

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